Sonntag, 13. April 2014

Blogbattle #9: Freundschaft

Das Wort zum Sonntag, gesprochen von Kardinalin Claudia Karlsson, lautet diesmal: Freundschaft.

Freundschaft bedeutet für mich in erster Linie Vertrauen. In einer echten Freundschaft weiß jeder um die Grenzen des anderen und wird sie nicht überschreiten. Nicht, weil er es nicht könnte, sondern weil er es nicht will. Weil er den anderen mag, schätzt, liebt, so, wie er ist. In einer Gesellschaft, in der das soziale Klima so frostig ist, dass sich die Antarktis dagegen wie ein Tropenparadies ausnimmt, ist eine echte Freundschaft wertvoller als alle Besitztümer, die man anhäufen könnte. 

Freundschaft bedeutet, dass man in Gegenwart des anderen so sein kann, wie man wirklich ist, ohne die ganzen schützenden Mauern, Selbstschussanlagen und Minenfelder. Das sind sehr erholsame Augenblicke, kosten diese ganzen Verteidigungsanlagen doch eine Menge Kraft. Leider sind sie notwendig, um emotional nicht vor die Hunde zu gehen. Deshalb fühlt man sich in der Gesellschaft eines echten Freundes auch so wohl. Man kann sagen, was man denkt, man kann sein, wie man wirklich ist, man muss keine geheuchelten Höflichkeiten von sich geben, im Idealfall versteht man sich oft auch ohne Worte. Eine wahre Freundschaft zeichnet sich auch dadurch aus, dass, sollte man sich einmal längere Zeit aus den Augen verlieren, man auch nach Jahren ohne Kontakt beim Wiedertreffen dann einfach da weitermachen kann, wo man damals aufgehört hatte. Ohne Fremdeln, ohne Zögern. Klingt alles wie eine Liebesbeziehung? Ist es auch, aber ohne den ganzen Beziehungsstress, den man mit einem Partner hat/hätte. Im Gegenteil: Wenn der Partner die Biege macht, sieht ein Freund die ganzen Bruchteile der Seele rumliegen, seufzt, holt sich einen Kaffee und einen Aschenbecher, zündet sich eine Kippe an, denkt kurz nach und fängt dann an zu puzzlen.

Freundschaft ist emotional, ohne dabei destruktiv zu sein. Eine Beziehung kann einen kaputt machen, eine echte Freundschaft nicht. Sicher, es gibt auch andere Arten der Freundschaften, in der zB. der eine vom anderen abhängig ist, in der es um gemeinsame Vorteile geht etc. Diese sind hier aber nicht das Thema. Eine echte Freundschaft erkennt man auch daran, dass, wenn man den anderen sieht, ein Grinsen im Gesicht erscheint. Ohne, dass man es will. Einfach so. Echte, ursprüngliche Freude ohne irgendwelche Hintergedanken.

Freundschaft ist besser als Familie. Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht. In die wird man hineingeboren, und muss sie dann ertragen. Egal, ob man einige Familienmitglieder unmöglich findet, es ist Familie und basta. Nachdem man dann wieder einmal ein ödes Familientreffen ausgehalten hat, geht man zum Freund und heult sich aus. Der nickt dann weise und verstehend, seufzt mit einem mit und schleppt einen dann irgendwo hin zum Abschalten und Entspannen. 

Eine richtige Freundschaft vergisst man nie. Auch, wenn man sich aus den Augen verloren hat, spukt einem immer mal wieder im Kopf herum, was der andere wohl gerade macht, wie es ihm geht usw. 

Für meine Begriffe ist diese soziale Beziehung wichtiger als Ehe, Familie und das ganze andere Gedöns. Einfach, weil man sich uneingeschränkt wohlfühlt damit. Weil man nicht permanent aufeinander glucken muss, um sich zu mögen. Weil Gemeinsamkeiten bestehen (sonst wäre man ja nicht befreundet), die verbinden. Ohne Zwänge. 

Schließen möchte ich mal wieder mit einem Zitat. Diesmal von Ludwig Feuerbach (1804 - 1872), einem deutschen Philosophen und Anthropologen. Er sagte:

"Es geht uns mit Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber nur wenige erwählen wir zu unseren Freunden."

In diesem Sinne: 

Käsetoast!

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